Leichtathletikwettbewerb der Schulen: Not macht erfinderisch

Statt grünem Rasen die blanke rotbraune Erde, statt Geräten das eigene Improvisationstalent: Wenn die Karai Münsingen Primary School in Lusigetti /Kenia einen Sportwettbewerb ausrichtet, fehlt es an fast allem. Dennoch erlebten fast 2 000 Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen einen spannenden Tag und gaben ihr Bestes vom Sprint bis zum 5 000 m-Lauf, im Hochsprung sowie beim Diskus- und Speerwurf.

Die ausrichtende achtklassige Grundschule gehört zum Straßenkinderprojekt Karai. In der Privatschule werden derzeit rund 250 Kinder und Jugendliche unterrichtet, darunter 74 aus dem Heim. Im März endet das erste dreimonatige “Term” des Schuljahres. Danach sind vier Wochen Ferien. Vorher aber werden in allen Fächern Klassenarbeiten geschrieben. Zur Belohnung gibt es dann das Sportfest.

Schon am Tag zuvor hatten die Lehrer die Laufbahnen rund um den Sportplatz angerissen und weiß gekalkt. Beinahe hätte der Wind über Nacht ihre mühsame Arbeit wieder zunichte gemacht, denn es hat seit Monaten nicht geregnet und jede Bö wirbelte Wolken von Staub auf. Am Spielfeldrand wurde eine Sprunggrube angelegt und mit Sägespänen aus der zum Projekt gehörenden Schreinerei gefüllt. Zwei Holzstäbe mit Stöckchen und ein Gummischlauch ersetzten Ständer und Latte.

Statt Rechen eifrige Bubenhände.

Am Morgen trafen dann die Schulen aus der Umgebung ein, jede mit einer eigenen Farbe von Sportdress oder Schuluniform – ein buntes Bild. Bis zum späten Nachmittag wetteiferten Jungen und Mädchen um die besten Plätze oder feuerten ihre Mitschüler lautstark an. So manche hatten ihren großen Tag und ihr Erfolgserlebnis, jenseits von Mathematik, Englisch oder Kisuaheli – gerade für die ehemaligen Straßenkinder ein wichtiger Baustein für ihr Selbstwertgefühl.